Zum 80. Jahrestag der Kapitulation Japans erschien ein ausführliches Interview von Sven Hauberg (IPPEN.MEDIA) mit Prof. Dr. Gabriele Vogt vom Japan-Zentrum. Die beiden sprachen über Kriegsverbrechen und das bis heute schwierige Gedenken in Japan, über Strategien internationaler Entwicklungszusammenarbeit in Asien, Japans eigene Zeitenwende angesichts der sich verändernden Sicherheitslage – und einiges mehr.
Hier ein Auszug:
Ein paar Jahre zuvor sind in Japan Debatten über seine Rolle [gemeint ist Hirohito bzw. posthum Shōwa-Tennō] im Zweiten Weltkrieg entbrannt, vor allem in Okinawa, ganz im Süden Japans. Dort war Hirohito bis zu seinem Tod sehr umstritten. In Okinawa fanden gegen Ende des Kriegs die einzigen Landschlachten auf japanischem Boden statt, zwischen den kaiserlichen japanischen und den alliierten Truppen. Dabei haben die japanischen Truppen teilweise die dortige Zivilbevölkerung aus Höhlen und anderen Verstecken vertrieben, um sich selbst in Sicherheit zu bringen. Mitte der Achtziger machte ein Supermarktbesitzer Schlagzeilen, der bei einer großen Sportveranstaltung in einem Stadion in Okinawa eine japanische Flagge vom Masten geholt und angezündet hat. Für ihn war die Flagge ein Symbol für das Kaiserhaus, von dem er eine Entschuldigung für das Leid der Menschen in Okinawa gefordert hat. Allerdings vergeblich.
Das vollständige Interview kann ohne Paywall hier nachgelesen werden: Vor 80 Jahren endete der Zweite Weltkrieg: „Japan sieht sich vor allem als Opfer und weniger als Täter“ (von Sven Hauberg). In: Frankfurter Rundschau (2025/09/02).
Das Beitragsbild zeigt eine Szene aus dem Friedenspark von Itoman in der Präfektur Okinawa: wellenförmig angeordnete Gedenktafeln mit den Namen der Opfer der „Schlacht um Okinawa“ (April bis Juni 1945) und – im Hintergrund – das 1995 eröffnete Friedensmuseum.